Wie werden Glasperlen am Brenner hergestellt?

von Sabine Schrödl am 11. März 2014

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Die Faszination, welche Lampwork Beads auf mich ausüben, hat in all den Jahren nicht nachgelassen. Es handelt sich dabei um Perlen, die an einem Gasbrenner, zumeist einem Eingas- oder einem leistungsstärkeren Zweigasbrenner (Propan und Sauerstoff) „gedreht“ werden. Daneben existiert auch noch das böhmische Lampenfeuer, eine spezielle Brennerart mit mehreren Düsen, nach welchem die entstandenen Perlen auch als „Lampenperlen“ bezeichnet werden.

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Die Flamme entwickelt je nach Brennerart eine Hitze zwischen 800 und 1200 °C, welche notwendig ist, um das Weichglas zum Schmelzen zu bringen. Obwohl man durchaus auch Glas aus normalem Flaschenglas recyclen kann, verwendet man üblicherweise Glasstäbe, welche von verschiedenen Glashütten in einer beeindruckenden, ja verführerischen Auswahl an transparenten und opaken (blickdichten) Farbtönen angeboten werden. Wichtig ist dabei, dass der jeweilige Ausdehnungskoeffizienten (AK) des Glases beachtet wird, denn bei Kombination von Gläsern mit stark unterschiedlichem AK kühlen die Gläser unterschiedlich schnell ab, so dass es zu Spannungen zwischen den Glassorten kommt, die dann meist in unerfreulichen Rissen oder im worst case zu komplett zersprengten Perlen führen können.

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Die eigentliche Herstellung verläuft grob beschrieben folgendermaßen ab:

Der Glasstab wird vorsichtig in den hinteren Teil der Flamme geführt, so dass der Stab sich langsam erhitzt und zu Schmelzen beginnt. Wird der Glasstab zu schnell in die Flamme gehalten, so kann es passieren, dass kleine Stücke des Glases unkontrolliert abspringen und im schlimmsten Fall kleine Verbrennungen in der Umgebung und/ oder auf der Haut der PerlerInnen nach sich ziehen können. Manche PerlerInnen wärmen aus diesem Grund ihre Glasstangen in einer speziellen Halterung vor. Mit ein wenig Geduld ist es nach kurzer Zeit möglich, am Ende der Glasstange einen „Glasblob“ anzuschmelzen, d.h. das Glas beginnt sich zu verflüssigen und bildet ein kugelförmiges Gebilde, welches vorsichtig durch geschickte Drehungen im Gleichgewicht gehalten und je nach Bedarf entsprechend groß aufbaut wird. Hierbei kommt einem der Umstand zu Gute, dass Glas Wärme nur schlecht leitet, d.h. der Glasstab kann ohne weitere Schutzvorrichtungen in der bloßen Hand gehalten werden.

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Ist der Blob groß genug, so wird er um einen vorbereiteten Dorn gewickelt. Als Dorn bezeichnet man eine dünne Stahlstange, die üblicherweise einen Durchmesser zwischen 2 und 3 mm aufweist. Für spezielle Perlen wie bspw. Modulperlen gibt es auch Dorne mit größerem Durchmesser, die dünnsten Perlendorne beginnen bei 1 mm Durchmesser.

Der Durchmesser des Dorns bestimmt letztlich die Größe des Fädellochs, denn wird die fertige Perle vom Dorn gezogen, so stellt das verbleibende Loch das Fädelloch dar. Der Dorn besteht in der Regel aus Edelstahl, der ebenfalls die Hitze nicht weiterleitet und daher gut ohne Verbrennungen zu riskieren gehalten werden kann.

Das Glas kann jedoch nicht direkt auf den Perlendorn aufgebracht werden, da es eine unlösbare Verbindung mit dem Stahl eingehen würde (leider passiert dies ab und an trotzdem, wenn z.B. das Perlentrennmittel vom Dorn abplatzt oder man unsauber arbeitet. Der Dorn samt Perle gibt dann wenigstens einen hübschen Blumenstecker oder Orchideenstab ab … ).

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Daher wird der Dorn vor dem eigentlichen Ingangsetzen des Brenners in ein sogenanntes Trennmittel getaucht; es handelt sich hierbei um eine zähflüssige Konsistenz auf Kaolinbasis (keramischer Grundstoff); das Trennmittel an der Luft oder in der Flamme getrocknet werden kann. So ein Dorn weist eine Länge zwischen 20 und 25 cm auf, wurde der Dorn in das Trennmittel getaucht, so umfaßt der „Arbeitsbereich“ normalerweise ca. 4 bis 6 cm. Selbstverständlich kann man bei der Herstellung sehr langer Walzen den Bereich auch deutlich vergößern.

Während man nun mit einer Hand (bei Rechtshändern die rechte Hand) den geschmolzenen Blob weiterhin in der Flamme balanciert, wird das beschichtete Dornende ebenfalls kurz in der Flamme erhitzt, damit das heiße Glas aufgetragen werden kann; das Trennmittel verfärbt sich weißlich. Das ist ein sicheres Zeichen, dass nun mit dem eigentlichen „Perlendrehen“ begonnen werden kann.

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Nun kann der Glasblob auf den Dorn aufgebracht werden. Das Glas wird an einer Stelle des Dorns angedockt, der Dorn wird  in kreisenden Bewegungen vom Körper weggedreht, so dass der Blob in ein oder zwei Umdrehungen vom Dorn aufgenommen wird. Im weiteren Verlauf kann die Glasstange von der entstandenen Perle „abgeschmolzen“ werden. Die rechte Hand ist somit wieder frei :-).

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Nun befindet sich das heiße Glas im Idealfall in einer leicht donutförmigen Form auf dem Dorn. Kleine Unregelmäßigkeiten der Form werden durch gleichmäßig kreisende Bewegungen unter Zuhilfenahme der Schwerkraft ausgeglichen, der Dorn wird langsam immer weiter gedreht, Runde um Runde.

Daher spricht man auch vom „Perlendrehen“: Würde man den Dorn ruhig halten, so würde das weiche Glas unweigerlich nach unten absacken, ja sogar vom Dorn tropfen, d.h. durch stetiges Drehen des Dorns wird die gesamte Perle im Gleichgewicht gehalten und dadurch wird auch ihre Form bestimmt – keine leichte Aufgabe für einen Anfänger! Unregelmäßige oder nicht vollständig ausgeführte Drehungen führen unweigerlich zu krummen Perlen.

Ist eine schöne Form erreicht und hat man die Perle entsprechend seiner Vorstellung verziert (oder auch nicht), so ist die Perle fertig. Die Perle muss dann zunächst in der hinteren Flamme ein klein wenig abkühlen (vortempern) und wird dann entweder in einem speziellen Perlenofen oder in einem Topf mit erhitztem Vermiculit abgelegt.

So also funktioniert die grundsätzliche Herstellung einer Perle; es sind viele Formen und Größen bei der Perlenherstellung möglich. Es gibt von einem einfachen Messer über ein Graphitpaddel bis zu Perlenpressen die unterschiedlichsten Hilfsmittel, um eine Perle in die gewünschte Form zu bringen. Es sind alle möglichen Arten der Verzierung denkbar: kleine Pünktchen (Dots), Linien, aufgemalte Muster, eingesetzte Glasscheiben (Murrini) etc. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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Um das Handwerk gründlich zu erlernen, bedarf es neben dem ersten Equipment: Brenner, Sauerstoffkonzentrator, Didyium-Schutzbrille (!) , Dorne, Glas, Werkzeug, Vermiculit – zunächst einer ruhigen Hand, viel Geduld und vor allem viel, wirklich viel Zeit, um zu üben.

Die ersten Perlen werden liebevoll „Kartoffeln“ genannt, da sie meist nicht sehr regelmäßig ausfallen, aber trotzdem heiß und innig von ihren DreherInnen geliebt werden. Schon bald werden die Formen und Verzierungen gleichmäßiger, die Versuche gewagter.

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Kartoffeln! 😉

Es bleibt ein großes Faszinosum, welche kleinen Kunstwerke der Flamme aus geschmolzenem Glas entspringen, da es wirklich nicht einfach ist, mit diesen beiden Medien umzugehen. Die werdende Perle darf nur bedingt in der vollen Flamme gehalten werden; Muster werden oft mit haarfeinen, selbstgezogenen Glasfäden aufgebracht, die blitzschnell an einer falsche Stelle zu einem unansehnlichem Glaspunkt schmurgeln können, ein Klarglasüberfang verzieht das begonnene Muster etc.  usw. usf. – die Fehlermöglichkeiten sind unerschöpflich. Nur der intensive Umgang mit dem Material Glas und die unerschrockene Begegnung mit Feuer & Flamme schafft im Ablauf der Zeit eine gewisse Kunstfertigkeit und Routine sowie das Wissen, um die Vorgänge beim Brennen und die Eigenschaften verschiedener Gläser sowie deren Reaktionen untereinander.

Ja, es ist durchaus eine kleine Geheimwissenschaft…. und es gibt hierzulande viele, wirklich viele gute KunsthandwerkerInnen und sogar einige wirklich große PerlenkünstlerInnen! Sicher, deren Perlen sind nicht ganz preisgünstig – und doch jeden Cent wert! Schauen Sie sich um, auf den großen Plattformen, da werden einem jeden Tag neue, wunderschöne kleine Kostbarkeiten offeriert – freuen Sie sich an deren Kunstfertigkeit, den Formen, den Farben, der Brillanz – es sind wahrhaftig wunderschöne, kleine, einzigartige Wunder – und die haben oft ihren Preis, der in unseren Augen aber völlig gerechtfertigt ist! Ja, es sind Liebhaberstücke, kleine Unikate, die im richtigen Licht (vor allem in der Sonne) ihre Geheimnisse preisgeben….

Und so freuen wir uns auch nach Jahren unserer Händlertätigkeit nach wie vor an den schönen Lampwork Perlen und heben einzelne Stücke oft bewundernd gegen das Licht – jede ist ein kleines Kunstwerk, für dessen Herstellung es großer Erfahrung und Geschicklichkeit bedarf.

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In unserem Shop bieten wir Lampwork Beads sowohl lose als auch als farblich fein abgestimmte Sets an, die sich hervorragend mit dem entsprechendem Schmuckzubehör zu Armbändern verarbeiten lassen. Besonders brillant sind die Farben bei den Ornela Perlen, welche aus Böhmen stammen, welches auf eine große Tradition bei der Herstellung von Glasperlen verweisen können und deren Qualität auch besonders exquisit ist. Weiter bieten wir noch Lampwork Mixe an, darunter fallen z.B, auch die kunstvoll verzierten Wedding-cake-beads. Und manchmal, wenn ich über die entsprechende Zeit verfüge, bieten wir auch von mir gefertigte Perlen an – jede garantiert ein Einzelstück, schon allein, weil mir die Übung fehlt, um exakt gleiche Perlen mehrfach herzustellen ;-). Und wir bieten auch Schmuckstücke an, die wir aus unseren Perlen gefertigt haben.

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